• Unser Trainingslager in Finnland

    Unser Traum vom Trainingslager in Finnland
    ( geschrieben von zwei Eismamis )
    Schon ein wenig ist die Erinnerung verblasst, es begann mit einem nicht so glücklichen Wettkampf-Wochenende – der Cup of Berlin im Januar 2015. Eigentlich ein Wettkampf, wie schon so viele vorher, jedoch mit einem ungewöhnlichen Gefühl. Es war irgendetwas anders und nicht so stimmig wie sonst. Zusammenhänge haben wir nie gefunden.
    Diese Stimmung lag über dem ganzen Team. Unsere Kür lief eigentlich ganz gut, die Bewertung war zufriedenstellend und weiterhin ausbaufähig. Im Zuge der Siegerehrung wurde der Cup of Berlin platziert, im gleichen Augenblick waren wir verwundert, denn erstmalig und unwissend, gab es keine Ehrung im Rahmen der Deutschen Meisterschaften in unserer Kategorie, unverstanden, denn die Ausschreibung des Wettkampfes sah die Austragung doch vor, leider konkurrenzlos, aber wir waren auch dafür angemeldet? Die Mädchen waren noch trauriger, enttäuschter, unzufriedener, über sich, über uns, die Stimmung suchte sich ihren Weg – ein Gefühlsbad von Emotionen zwischen Kind-Sein und Erwachsen-Werden… Wir ließen den Wettkampf dann weiter als Zuschauer auf uns wirken, natürlich beeindruckt von den älteren Teams und deren großartigen Präsentationen.
    Wir fuhren zurück nach Dresden, Mädchen mit gesenkten Köpfen stiegen ins Auto und versuchten das Erlebte zu analysieren. Eine schaute uns plötzlich fragend an und meinte: „Wollen wir nicht alle ein wenig finnisch werden?“ Die Antwort war klar und einig, sie trifteten voller Begeisterung ab in die Zukunft.
    Wir fragten angesteckt in die glitzernde Wolke zurück: „ Wie wäre es denn mal mit einem Trainingslager in Finnland?“ Ein Traum schwebte über uns und die Idee war geboren…
    Schnell wieder im Alltag versunken, sprachen wir in den kommenden zwei Wochen eigentlich nicht mehr darüber. Die Idee war zwar da, der Wunsch hing scheinbar an der Unerreichbarkeit. Die Gedanken kreisten dann doch weiter und hatten niemanden von uns so richtig losgelassen, so schauten wir nun intensiv nach Möglichkeiten im Internet.
    Ein Trainingslager für 16 Teenies, einen Trainer und zwei Begleitpersonen, Flüge, Unterkunft, Verpflegung, Eisgebühren, finnische Choreo-und Trainerunterstützung – Kosten, die zu Wettkampfreisen, Teamausstattungen und laufenden Finanzierungen der Saison, keiner der Eltern zusätzlich hätte aufbringen können. Dabei muss man bemerken, dass unsere schöne Sportart leider keine öffentliche Förderung bekommt, seit Jahren bemüht sich die Welt des Synchronsports, diesen endlich olympisch werden zu lassen, die Kriterien zur Aufnahme scheinen längst erfüllt zu sein…
    Zielstrebig und motivierend fanden wir vielleicht doch ein Fünkchen zum Versuch den Traum vom Trainingslager in Finnland für die Mädchen wahr werden zu lassen. Wir stießen auf fairplaid.de – eine Crowdfunding-Plattform nur für Sportvereine. Wir stöberten durch die Seiten und waren gefangen von den Möglichkeiten. Schon so viele unglaublich erfolgreich finanzierte Projekte.
    Die erste Hürde genommen, musste nun konkret ein Projekt her. Erfahrungen hatten wir natürlich keine, aber der Versuch war es auf jeden Fall wert. Es vergingen viele auch nächtliche Stunden. Texte die das Ziel und unser Team beschrieben, eine Film- Präsentation mussten zeitnah erstellt werden. Mit Unterstützung einer direkten Projektbetreuerin von fairplaid konnten wir das Geforderte schnell und zufriedenstellend umsetzen. Diese Plattform ermöglicht es, sich öffentlich vorzustellen, um möglichst viele Neugierige und Interessierte für sich und sein Projekt zu gewinnen, durch deren Spenden und Unterstützung das Guthaben wachsen muss, bis hin zur vorab kalkulierten Projektsumme. Wird diese erreicht, kommt es zur Umsetzung, wenn nicht, gehen die Zuwendungen zurück an die Einzahler.
    Zügig vorangekommen, stellten wir nun unserem Vorstand die Idee vor, in der Hoffnung, dass dieser uns dabei unterstützen würde. Dies war erst nicht so einfach, wir versuchten Gehör für unser Vorhaben zu finden und konnten dann doch überzeugen, viele Formulare mussten eingepflegt werden. Unser komplettiertes Projekt durchlief weiterer Prüfungen und wir warteten nun auf den Moment der Freischaltung.
    Wochen später war es tatsächlich so weit. Das hätte keiner gedacht: Unser Projekt, unser Traum war nun online und konnte starten. Es hieß zu aktivieren, verbreiten, teilen, werben, informieren, einfach allen mitteilen, wie der Traum wahr werden könnte. Neugierig verfolgten wir stündlich, täglich was passierte. Schnell fanden sich die ersten Unterstützer, die ihre Spenden bei fairplaid in unser Projekt einzahlten und uns weiter motivierten, den vermeintlich unerreichbaren Weg frei zu machen.
    Zeitgleich überlegten wir uns, mit welchen Aktionen wir noch mehr Aufmerksamkeit öffentlich erlangen könnten. Die Mädchen kamen auf die Idee, einige auserwählte Stars und Sternchen per mail anzuschreiben. Spontan trafen sich einige Perlen vorm Training und durchstöberten das Netz. Youtube Stars, bekannte Bands und Persönlichkeiten, sogar bekannte Eisläufer waren dabei, sie wollten ihre Begeisterung mit all denen teilen. Gemeinsam schrieben wir genau 76 Adressen ganz lieb an, mit der Bitte ein Herz für unseren Traum zu haben. Enttäuschend, aber fast befürchtet, kamen ganze 9 Antworten zurück, Absagen, bis auf eine mit wenigstens gedrückten Daumen zum Erfolg: von Revolverheld.
    Wir motivierten uns weiter – wir kontaktierten unsere regionale Presse. Von 4 Tageszeitungen konnten wir immerhin die Sächsische Zeitung für uns gewinnen, gern schrieben sie einen Artikel. Das sportliche Interesse am Synchroneiskunstlauf, auch bedingt durch Unwissenheit, ist in unserer Stadt eher mühsam.
    Die Projektzeit zählte weiter rückwärts…
    Wir haben Ausdauer! Wir schaffen das! Wir fliegen nach Finnland!
    Und nun planten wir eigene Aktionen, anfänglich mit einem kleinen Stand auf einem Kinder- Flohmarkt hier in der Messe Dresden. Die Mädchen nutzten mutig die Gelegenheit und sprachen die Besucher an, stellten die Sportart und ihr Projekt vor. Viele hatten ein offenes Ohr und waren neugierig, haben gespendet und wussten nun zumindest auch was Synchroneiskunstlaufen ist.
    Uns inspirierte eine neue Idee: Straßentanz in der Fußgängerzone, die Mädchen studierten dafür zwei neue, leider eisfreie Tänze ein, aufgeregt und bepackt mit einer Genehmigung, vielen selbst gebackenen Kuchen, einem Glücksrad, handgemachten SIP-Glücksherzen und Schlittschuhanhängern, unserem Chronikfotobuch, einer Mikro-Musikbox und selbst gestalteten Fotobannern unserer bisherigen Wettkämpfe. Wir hatten nun einen Informationsstand, der unseren gelebten Sport präsentierte. Mit Unterstützung der Eltern versuchten wir damit wieder, das öffentliche Interesse zu wecken. Viele Gespräche, neugierige Blicke, Stehengebliebene während der Tänze und natürlich viele begeisterte Spender – alle gaben uns weiterhin die Motivation für unseren Traum weiter zu kämpfen!
    Die Summe wuchs weiter in Richtung des Ziels, regionale Firmen wurden aufmerksam, Freunde, Bekannte, Familie, Menschen die über Facebook zu uns fanden, alle versuchten uns zu unterstützen. Aber es reichte immer noch nicht, die Zeit drohte vorher abzulaufen. Kurz entschlossen wiederholten wir die Aktion und tanzten wieder, hofften damit den Schritt zum Ziel zu schaffen. Und: es wurde tatsächlich wahr – wir hatten es geschafft !!!
    Die unglaubliche Summe von € 8100 war für das Projekt erreicht, unsere Eisperlen so happy wie noch nie, Freudentränen… Ein herzlich großer Dank ging an alle Unterstützer!
    Nun begann Teil 3, die Umsetzung – in 3,5 Monaten sollte das Trainingslager stattfinden. Flüge, Unterkunft, ein Gastteam – alles musste zeitnah für 20 Personen gefunden werden. Der Auftrag war jetzt nicht einfach, die Projektkalkulation vor fast einem halben Jahr wurde nur grob aufgestellt. Viele Tage und Nächte investierten wir für Recherchen, Anfragen, Telefonate, jede Menge Organisation. Aber auch dies meisterten wir und die Reise rückte immer näher. Der Tag der großen Aufregung stand bevor, 2 Tage vorher lief das Team noch seinen 1.Wettkampf der Saison, mit neuem Kleid, neuer Kür, neuer Zusammensetzung. Zeit für Organisationen summierte sich extrem schnell auf.
    Der Tag der Abreise erwachte – alle waren an diesem zeitigen Morgen sehr aufgeregt. Als Team starteten wir gemeinsam und fuhren, natürlich synchron aufgehübscht nach Berlin, denn von da aus ging unser Flieger. Während der üblichen Prozedur bis hin zum Zustieg, fielen wir als Team überall auf. Wir freuten uns über das Interesse. Nun waren es nur noch wenige Minuten, bis uns finnair ans Ziel unseres Traumes brachte. Die Aufregung stieg, vor allem für mindestens 2 Perlen, die in ihrem jungen Leben nun ihren ersten Flug vor sich hatten. Glücksgefühle wurden frei – über den Wolken genossen wir den Augenblick und waren schon stolz darauf, was wir hier für sie alle geschaffen hatten…
    Eine Woche in Helsinki und Espoo stand bevor. Neu in dieser Stadt versuchten wir, mit allen Gegebenheiten bestens umzugehen, dem Team alles so gut nur möglich zu gestalten. Gemeinsam lernten wir hier viel kennen, die Leute, die Mentalität, das Leben. Dank unserer ausführlichen Vorbereitungen fanden wir uns doch schnell zurecht. Neben dem Training nahmen wir uns natürlich auch ein bisschen Zeit für die Sehenswürdigkeiten dieser Stadt, wir folgten der Einladung von Mint of Finland, einer unserer Unterstützer, die weltweit führend, Münzen aller Art produzieren und die dafür verwendeten Rohlinge auch Sachsen liefert.
    Sehr herzlich wurden wir von unserem Gastteam Blue Arrows auf finnischem Eis empfangen, unsere Mädchen trainierten täglich, sie lernten viel und schnell, auf dem Eis und mental, Teamgeist und Ausstrahlung haben hier große Priorität, Freundschaften bildeten sich sofort. Ein einmaliges Gefühl am Rande des Eises zu stehen und 45 Läuferinnen beim gemeinsamen Training zuzuschauen, alle mit einem gemeinsamen Ziel. Für uns faszinierend die Masse an Synchron-Sportlern und Teams, die Menge an gepflegten und organisierten Eishallen, unbegreiflich und ein großer Wunsch für daheim.
    Ein sportliches Highlight der Woche war es auch, beim Training der Rockettes dabei sein zu dürfen. Das neue Kürprogramm der Saison, öffentlich noch geheim, und wir durften sie schon hautnah miterleben. Die Trainerin Kaisa Nieminen vermittelte sehr herzlich und vertraut unseren Perlen, die Wichtigkeit von Mut und Glauben, die Ausdauer, den Willen und das Selbstbewusstsein. Was für ein Gefühl mit Weltmeistern zu sprechen, zu lachen, Fotos zu schießen – ein Moment für die Ewigkeit.
    Es wurde wieder Zeit Abschied zu nehmen, die Woche verging rasant, schnell geteilt war die Vorstellung wieder einmal hier zu sein, in den unendlich und wasserdurchzogenen, waldreichen Weiten, im Land der Rentiere, Polarlichter und unseres geliebten Teamsports.
    Kiitos suomi – Danke Helsinki !
    Nach 2h und 1100km direkt im Sonnenaufgang über den Wolken landeten wir dann wohlbehalten und voller Eindrücke wieder auf deutschen Boden und wurden von allen Daheimgebliebenen ganz herzlich empfangen.
    Ein Traum ging in Erfüllung – großer Dank gilt
    allen Spendern, Familien, Freunden, Sportbegeisterten – die mit ihrer Unterstützung geholfen haben, den Mädchen, dem Synchroneislaufteam Saxony Ice Pearls Novice, diese Reise zu ermöglichen. Danke allen Eltern, von berechtigt anfänglicher Skepsis bis zum entgegengebrachten Vertrauen. Danke an Katrin Böhme, für Hilfe und Vermittlung, eine Trainerin, die mit Ausdauer und Fleiß das Team zu ihrer Leistung und Stimmigkeit auf dem Eis heranwachsen lässt.
    Alles in Allem wieder ein Beweis, dass mit ausdauernder Kraft der Weg zum Ziel führen und Dinge bewegt werden können, um zu merken wie wichtig es ist festzuhalten und im Herzen zu wissen, wofür man es getan hat.
    fairplaid war der Schlüssel zum Glück – Danke für die großartige Unterstützung!
    Katrin Höhne ( Teammanager ) und Claudia Gallwitz (Öffentlichkeitsarbeit)

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